Archiv für Oktober 2013

Dortmund: Soli-Aktionen zu #Lampedusahh

In Dortmund kam es in letzter Zeit zu Soli-Aktionen von AntifaschistInnen aufgrund der aktuellen Flüchtlinslage in Hamburg und anderswo. Dabei wurde
zunächst von einigen Supportern ein DB-Wagen mit einer passenden Botschaft verschönert.

Später wurden dann an verschiedenen Stellen in der Stadt, darunter in Aplerbeck, Dorstfeld, der Innen – und Nordstadt, Transpis gut sichtbar aufgehangen.

Wir würden uns auch in nächster Zeit über weitere Soli-Aktionen freuen. Auch für uns sind die Zustände der Flüchtlinge in Hamburg o.a nicht hinnehmbar.
Deswegen sollte weiterhin öffentlich klar gemacht werden: Die Flüchtlinge bleiben! Kein Mensch ist illegal!

Jugend Antifa Dortmund

Kein Tag für die Nation !

Hier ein Text den wir von der AJD kopiert haben und euch hier, aufrgund des am kommenden Donnerstag statt findenden „Feiertags“ Tag der deutschen Einheit ,präsentieren wollen :

„Die bil­ligs­te Art des Stol­zes ist hin­ge­gen der Na­tio­nal­stolz. Denn er ver­rät in dem damit Be­haf­te­ten den Man­gel an in­di­vi­du­el­len Ei­gen­schaf­ten, auf die er stolz sein könn­te.“
(Ar­thur Scho­pen­hau­er, 1788-1860)

Warum wird der Ein­heits­tag ge­fei­ert?

Am 3. Ok­to­ber 1990 wurde die BRD mit der DDR wie­der­ver­ei­nigt.
Seit dem ist die­ser Tag laut Ei­ni­gungs­ver­trag ein na­tio­na­ler Fei­er­tag.
Der Tag der Deut­schen Ein­heit ist eben­falls Jah­res­tag der Grün­dung fünf neuer Bun­des­län­der.

Auch die­ses Jahr zog der 3. Ok­to­ber wie­der eine pa­trio­ti­sche Nost­al­gie ohne glei­chen mit sich.
Tau­sen­de Deut­sche re­du­zie­ren ihre Iden­ti­tät auf drei Far­ben und fei­ern die Na­ti­on.
Warum wir das schei­ße fin­den, wol­len wir euch in die­sem Text er­klä­ren.

We don’t need a Na­ti­on
Warum Na­tio­nen uns nicht gut tun:

Na­tio­nen er­fül­len den Zweck, die ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se mit Ge­walt auf­recht zu er­hal­ten.
Um das zu ge­währ­leis­ten gren­zen sie die Men­schen in einem be­stimm­ten Ge­biet zu­sam­men und set­zen diese unter die Herr­schaft einer Re­gie­rung.
Diese stellt eine Au­to­ri­tät dar, die zur Be­wah­rung der na­tio­na­len Ord­nung re­spek­tiert wer­den muss.
Wer das nicht tut, er­fährt die Ge­walt einer aus­füh­ren­den Exe­ku­ti­ve am ei­ge­nen Leib.

Doch Herr­schaft und Au­to­ri­tät sind un­an­ge­neh­me Dinge, da sie die Men­schen in ver­schie­de­ne hier­ar­chi­sche Stu­fen ein­ord­nen.
We­ni­ge kön­nen über Viele be­feh­len, sie davon ab­hal­ten ihr Leben nach ei­ge­nem Wunsch zu füh­ren oder sie zu Din­gen zwin­gen die sie nicht ma­chen wol­len.
Diese Macht kor­rum­piert und wird stets für die ei­ge­nen und gegen frem­de In­ter­es­sen ge­nutzt.
In dem Au­gen­blick un­se­rer Ge­burt wer­den wir dem Re­per­toire eines Staa­tes zu­ge­ord­net. Ab dann wach­sen wir in einer At­mo­sphä­re des Zwangs, der Ge­walt, der Au­to­ri­tät, des Ge­hor­sams, der Pflicht und Angst vor Be­stra­fung auf.
Per­so­nal­aus­wei­se, Po­li­zis­ten, Gren­zen, Ge­set­ze, Vor­ge­setz­te und Re­li­gio­nen die­nen dazu uns in die­ses Macht­ge­fü­ge zu zwin­gen.
All die­sen Din­gen wer­den wir aus­ge­setzt, um für den Staat Leis­tung zu er­brin­gen.

Deutsch ist der, der deut­sches tut…
Über die Kon­ti­nui­tät deut­scher Scheuß­lich­kei­ten:

An­ti­se­mi­tis­mus, Ras­sis­mus, Krieg und De­por­ta­ti­on sind in Deutsch­land auch nach Kriegs­en­de im Jahr 1945 trau­ri­ge Rea­li­tät.
Zum Bei­spiel ist der An­ti­se­mi­tis­mus nach wie vor ein weit ver­brei­te­tes ge­sell­schaft­li­ches Phä­no­men in Deutsch­land, das sich durch alle ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten und po­li­ti­sche Lager zieht.
Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, wie die der Kon­trol­le aller Ban­ken und Kon­zer­ne durch Juden und Jü­din­nen, sind nicht nur in der ex­tre­men Rech­ten zu fin­den, son­dern auch in der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft ver­an­kert.
Auch Ras­sis­mus, Se­xis­mus und Ho­mo­pho­bie be­geg­nen uns im All­tag über­all. An Schu­le, Uni oder Ar­beits­platz, auf der Stra­ße, in der Knei­pe, im Sta­di­on oder Fern­se­hen wer­den wir damit kon­fron­tiert.
Über­grif­fe auf ver­meint­lich frem­de Men­schen ste­hen an der Ta­ges­ord­nung in Deutsch­land.
Al­lein in der Ge­schich­te der Wie­der­ver­ei­ni­gung seit 1990 sind 130 rechts­ra­di­kal mo­ti­vier­te Morde ver­merkt.
Al­ler­dings ist die Dun­kel­zif­fer weit­aus höher, da viele Morde sei­tens des Staa­tes ent­po­li­ti­siert oder ver­leug­net wer­den, um das “na­tio­na­le An­se­hen” nicht zu be­schmut­zen.
Trau­ri­ger Hö­he­punkt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Aus­län­der­feind­lich­keit ist wohl der Po­grom im Jahr 1992 in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen, als über 100 Neo­na­zis ein Asyl­be­wer­ber_in­nen­heim an­grif­fen, es an­zün­de­ten und schließ­lich stürm­ten.
Um das Ge­sche­hen stan­den teil­wei­se bis zu 2000 Men­schen aus der Zi­vil­be­völ­ke­rung die san­gen und ap­plau­dier­ten – die Po­li­zei schritt nicht ein.
Die Selbst­ver­ständ­lich­keit von Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus in der deut­schen Ge­sell­schaft ist nach wie vor er­schre­ckend.

Auch Krieg ist nach wie vor ein be­lieb­tes deut­sches Mit­tel, um wirt­schafts­be­ding­te In­ter­es­sen­ge­gen­sät­ze zum ei­ge­nen “na­tio­na­len Guns­ten” zu ent­schei­den. So­lan­ge die Ge­sell­schaft die Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Ka­pi­ta­lis­mus und Fa­schis­mus nicht er­kennt, ist es die­ser un­mög­lich eine Kri­tik am Krieg zu for­mu­lie­ren, die der Ak­zep­tanz ge­gen­über ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen nicht wi­der­spricht.
Krieg wie er im 2. Welt­krieg ge­führt wurde, müs­sen die Deut­schen nicht mehr fürch­ten. Heute trägt die Bun­des­wehr Kon­flik­te fern ab in Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern aus und die Nach­rich­ten zei­gen Bil­der von freund­li­chen Sol­da­ten die Kin­dern hel­fen.
Die Rea­li­tät sieht an­ders aus:
Mas­sa­ker an der Zi­vil­be­völ­ke­rung wie das in der Af­gha­ni­schen Pro­vinz Kun­dus er­lang­ten trau­ri­ge Be­rühmt­heit.

Im Zu­sam­men­hang mit der Bei­na­he-Ab­schaf­fung des Asyl­rechts im Jahr 1993 wurde die Ab­schie­be­haft in gro­ßem Um­fang wie­der ein­ge­führt.
Es ge­nügt heute, ohne gül­ti­ge Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung in Deutsch­land auf­ge­grif­fen zu wer­den, um in Ab­schie­be­haft ge­nom­men zu wer­den. Dar­un­ter lei­den po­li­ti­sche Flücht­lin­ge, denen das Asyl ver­wei­gert wurde, oder Flücht­lin­ge, deren Visum nicht ver­län­gert wird, und Mi­gran­t_in­nen, die ent­we­der ohne gül­ti­ges Visum nach Deutsch­land ge­kom­men sind, oder deren Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung ab­ge­lau­fen ist.
Tau­sen­de Men­schen sit­zen oft mo­na­te­lang in Ab­schie­be­haft, bis sie dann zu den 50.000 Men­schen ge­hö­ren, die jedes Jahr aus Deutsch­land ab­ge­scho­ben wer­den.
Dass die „Rück­füh­rung“ in die Hei­mat­län­der für viele Asyl­be­wer­ber_in­nen po­li­ti­sche Ver­fol­gung, Elend, Armut und den Tod be­deu­ten kann, wird nicht be­ach­tet.
Was zählt ist das Wohl­er­ge­hen der deut­schen Na­ti­on.

Es ist er­schre­ckend wie kon­ti­nu­ier­lich die Ver­bre­chen und Me­tho­den des NS-Re­gimes noch heute An­klang fin­den.
Doch warum sind diese Ekel­haf­tig­kei­ten von der Ge­sell­schaft to­le­riert, wenn nicht sogar ge­wünscht?

Tag der deut­schen Ein­heit?
Kon­kur­renz­kampf und Aus­gren­zung neben Ein­heit und Pa­trio­tis­mus:

Na­tio­na­lis­t_in­nen sehen sich als eine Ge­mein­schaft an, die sich im stän­di­gen Kampf gegen an­de­re na­tio­na­le Ge­mein­schaf­ten pro­fi­lie­ren müs­sen.
Das schweißt zu­sam­men.
Man spricht sich ge­mein­sa­me Ei­gen­schaf­ten und Vor­lie­ben zu, die ein­an­der ver­bin­den sol­len.
So spricht man von deut­schen Tu­gen­den wie Fleiß, Ord­nung und Pünkt­lich­keit und einer ge­mein­sa­men Tra­di­ti­on, die immer mit einer po­si­ti­ven Dar­stel­lung auf die ge­mein­sa­me Ge­schich­te zu­sam­men­hängt.
Diese po­si­ti­ve Dar­stel­lung fällt den Deut­schen auf­grund des NS-Re­gimes, der Shoah und dem größ­ten Ver­nich­tungs­krieg der Welt­ge­schich­te vor nicht mal 70 Jah­ren schwer.
Ge­ra­de des­halb will man „mit der Ge­schich­te ab­schlie­ßen“ und be­grüßt das Er­eig­nis der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands als Be­weis des guten Ge­müts der Deut­schen.
Das Va­ter­land wird wie­der ge­liebt.

Was dabei Über­se­hen wird, ist dass „Volk“ im Ka­pi­ta­lis­mus kei­nes­falls eine har­mo­nie­ren­de Ge­mein­schaft dar­stellt, son­dern ein kom­ple­xes Ge­fü­ge aus ver­schie­de­nen Schich­ten und Grup­pie­run­gen ist, die sich mit wi­der­sprüch­li­chen In­ter­es­sen aran­gie­ren müs­sen.

Po­li­ti­ker_in­nen kämp­fen ge­gen­ein­an­der um Macht und Ein­fluss.
Po­li­ti­sche Be­we­gun­gen kämp­fen ge­gen­ein­an­der auf­grund von ver­schie­de­nen Ideo­lo­gi­en.
Un­ter­neh­mer_in­nen kämp­fen ge­gen­ein­an­der um Pro­fit­ma­xi­mie­rung.
Ar­beit­neh­mer_in­nen kämp­fen ge­gen­ein­an­der um Ar­beits­plät­ze und Ge­werk­schaf­ten gegen Ar­beit­ge­ber_in­nen um „ge­rech­te Löhne“.
Alles in allem ist es eine Menge frem­der Men­schen die sich nie ken­nen­ge­lernt haben und das auch gar nicht wol­len, „ver­eint“ in einer Ge­sell­schaft die auf Kon­kur­renz­kampf und Tausch setzt, um ma­xi­ma­len Pro­fit zu er­rei­chen.
Unter die­sen Ver­hält­nis­sen lei­den alle.
Die Kon­se­quenz sind Feind­lich­kei­ten gegen allem als fremd emp­fun­de­nen und gegen sol­che Men­schen, die für Deutsch­land keine Leis­tung er­brin­gen.
Die trau­ri­ge Rea­li­tät ist, dass ein Groß­teil der Men­schen in die­ser Ge­sell­schaft nicht durch Lohn­ar­beit pro­fi­tie­ren. Nur die we­ni­gen, die ge­nung Mit­tel be­sit­zen um an­de­re Men­schen für die Ver­meh­rung ihres Ka­pi­tals ar­bei­ten zu las­sen, sind die Ge­win­ner in die­ser Ge­sell­schaft.

Ge­mein­schaft und Ei­nig­keit sieht an­ders aus.
Doch genau die­ser Kon­kur­renz­kampf ist im In­ter­es­se des ge­lieb­ten Va­ter­lan­des.

Aus die­sen Grün­den stel­len wir uns ent­schlos­sen gegen das pa­trio­ti­sche Tra­la­la und die Fei­er­lich­kei­ten zum Tag der deut­schen Ein­heit.
Wir wol­len eine be­frei­te Ge­sell­schaft fern­ab von Kon­kur­renz und Aus­schluss.
Ge­mein­sam kämp­fen, für etwas bes­se­res als die Na­ti­on!